Warum wir eine neue Arbeitswelt brauchen

Die Antwort auf die Frage „Warum wir eine andere Arbeits-welt brauchen“ ist im Prinzip ganz einfach: 

Die Strukturen, Prozesse und Hierarchien der konventionellen Arbeitswelt passen einfach nicht mehr zu den Erwartungen und Bedürfnissen der Arbeitnehmer in der heutigen Zeit.

Die Folge ist, dass immer mehr Menschen enttäuscht und frustriert sind, krank werden und sich manchmal sogar ganz von der klassischen Arbeitswelt abwenden.

Auf Dauer ist diese Entwicklung für die deutsche Volkswirt-schaft sehr bedenklich, da unsere wirtschaftliche Stärke primär auf dem Know-How und dem Engagement der Menschen beruht.

Wenn das Engagement und damit die Qualität der Arbeits-leistung abnehmen, und wichtiges Know-how nach und nach abwandert, dann wird sich das mittelfristig negativ auf unsere Wirtschaft und damit auf unseren Wohlstand auswirken.

„Die Sklaven von heute werden nicht mit Peitschen, sondern mit Terminkalendern angetrieben.“

John Steinbeck

Eindeutig lassen sich die negativen Auswirkungen heute natürlich noch nicht voraussagen und es gibt inzwischen auch einige vernünftige Gegenmaßnahmen.

Allerdings passiert dies in vielen Unternehmen bisher nur halbherzig und die Bereitschaft zur Veränderung ist insgesamt viel zu gering.

Warum auch etwas verändern, wenn doch eigentlich alles gut läuft?

Während sich Politik und Wirtschaft wegen der stabilen Konjunktur und der guten Arbeits-marktdaten öffentlich gern selbst auf die Schulter klopfen, steigen parallel dazu die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen massiv an und die Zufriedenheit der Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen sinkt.

Irgendetwas läuft offenbar falsch im System, auch wenn es vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.

Hier folgen 3 Beispiele, die zeigen, wie sich die heutige Arbeitswelt bereits negativ auf unsere Gesellschaft, die Menschen und die Wirtschaft auswirkt und warum wir dringend eine neue Arbeitswelt brauchen.

1. Auswirkungen auf die Menschen

Immer mehr Menschen leiden unter den häufig nach wie vor veralteten Unternehmenskulturen und starren Strukturen.

Um diese These zu belegen genügt schon ein Blick auf die dramatische Entwicklung der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Deren Anzahl hat sich seit 2001 mehr als verdoppelt, es ist inzwischen die zweithäufigste Abwesenheitsursache in deutschen Unternehmen.

Zusammengefasst könnte man sagen: Die Arbeitsbe-dingungen in vielen Unternehmen machen die Menschen krank.

Das Problem ist auch in den meisten Firmen bekannt, aber es wird selten etwas dagegen getan. Getreu dem Motto: Alle wissen es, aber keiner tut etwas dagegen.

Viele junge Mitarbeiter stellen sich dabei inzwischen die Frage:

„Warum soll ich mehr als 40 Stunden in der Woche für eine Firma schuften, die von einer veralteten Kultur geprägt ist und die meine Leistung nicht ausreichend wertschätzt?“

Die Folgen dieser Selbstreflektion sind häufig Unzufriedenheit und Frust verbunden mit verminderter Einsatzbereitschaft. 

Der Wunsch nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung in der Arbeitswelt ist unverkennbar. 

Auch wenn es sich bisher noch nicht entscheidend auf die Gesamtzahl der Arbeitnehmerschaft ausgewirkt hat, zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Mehr Selbständige, mehr Freelancer und mehr freie Mitarbeiter.

Die jungen Menschen wollen aussteigen. Raus aus dem klassischen Hamsterrad. Und das ist ihr gutes Recht. 

Bei einigen jungen Menschen geht es soweit, dass sie sich komplett von der klassischen Arbeitswelt abwenden und nach Alternativen suchen.

2. Auswirkungen auf die Wirtschaft

Trotz guter Konjunkturdaten sind die negativen Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft bereits deutlich spürbar.

Der „Abgasskandal“ bei Volkswagen ist ein prominentes Beispiel dafür, wie eine Kultur, geprägt von hohem Kosten- und Leistungsdruck gepaart mit einer starren Hierarchie, eines der größten Unternehmen in Deutschland an den Rande der Insolvenz bringen kann.

Insgesamt leiden inzwischen viele deutsche Unternehmen unter einer unflexiblen Unternehmenskultur und dem mangelnden Engagement ihrer Mitarbeiter. Gemäß dem aktuellen Gallup-Employee Engagement Index kostet dieser Zustand die deutsche Wirtschaft um die 100 Milliarden Euro pro Jahr. Und die Probleme dürften sich in den nächsten Jahren eher noch verschlimmern. 

„Es ist nicht die Stärkste Spezies, die überlebt, sondern es ist diejenige, die sich am besten an den Wandel anpassen kann.“

Charles Darwin

Da ist zum Beispiel die stolze deutsche Automobilindustrie, die zwar nach wie vor zur Weltspitze gehört, die Trends der Zukunft – wie z.B. die Elektromobilität – bisher aber weitestgehend verschlafen hat. 

Eine ähnlich traurige Entwicklung lässt sich in der deutschen Banken- oder Energiebranche beobachten. Die größte deutsche Bank kämpft seit Jahren mit zahlreichen hausgemachten Skandalen und in der konventionellen Energiebranche hoffen einige Unternehmen immer noch auf eine Wiederbelebung der Atomenergie.

Auch hier hat man lange nicht an die Zukunft von erneuerbaren Energien geglaubt und alternative Konzepte viel zu lange vernachlässigt

Die deutsche Industrie ist derzeit zwar noch stark und groß, aber auch in einigen Bereichen veraltet, langsam und insgesamt wenig veränderungsbereit. 

In Zukunft wird aber eine schnelle Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit an die digitalisierte Welt immer wichtiger für den Erfolg der Unternehmen.

Dieser Trend zeigt sich bereits in den USA, wo Tech-Konzerne wie Apple, Google und Amazon längst die klassischen Industrie-Unternehmen wie GE oder Exxon Mobil, als größte Unternehmen des Landes, abgelöst haben.

Einen Tech-Konzern, mit einem digitalen Geschäftsmodell, sucht man unter den DAX-Unternehmen in Deutschland allerdings vergeblich.

3. Auswirkungen auf die Gesellschaft

In unserer Gesellschaft sind die Auswirkungen bisher weniger sichtbar und doch beinhalten die oben genannten Probleme eine Menge gesellschaftlichen Sprengstoff

Wie im ersten Beispiel bereits angedeutet, wenden sich mehr und mehr gut ausgebildete, junge Menschen von der klassischen Arbeitswelt komplett ab.

Die Möglichkeiten dazu gibt es heute durchaus schon. 

So lässt sich zum Beispiel problemlos ein Unternehmen online in einem anderen Staat, wie z.B. in Estland, gründen. Die dazugehörige „e-residency“ gibt es für wenig Geld gleich dazu, weshalb die Meldeadresse in Deutschland überflüssig wird.

Wer sich folglich in Deutschland komplett abmeldet, muss hier natürlich auch nicht mehr zwangsläufig Steuern und Sozialbeiträge zahlen.

Warum auch mit hohen Steuern und Abgaben ein veraltetes Sozialsystem mitfinanzieren, wenn es auch anders geht?

Und dank Reisefreiheit in der EU, können sich die abgemeldeten Personen natürlich trotzdem regelmäßig in Deutschland aufhalten.

Sicherlich ist diese Möglichkeit nicht für die Mehrheit der Gesellschaft eine echte Alternative, aber der Trend trägt eine klare Handschrift der jungen Generationen.

Zurück bleiben die weniger gut ausgebildeten Mitarbeiter sowie immer mehr Beitragsempfänger von Sozialleistungen, bei immer weniger Beitragszahlern.

Die demographischen Herausforderungen unserer Gesellschaft werden also durch die Probleme der konventionellen Arbeitswelt noch unnötig verstärkt.

Infolgedessen wird sich die gesellschaftliche Kluft weiter vergrößern. Nicht nur zwischen arm und reich, sondern vor allem zwischen jung und alt sowie zwischen gut ausgebildeten und weniger qualifizierten Menschen

Und was jetzt?

Unterm Strich ist die Lage beunruhigend. Nicht unbedingt heute schon, aber in ein paar Jahren werden wir die negativen Auswirkungen mehr und mehr spüren. 

Eine Gesellschaft mit überlasteten Menschen, die weiter auseinander driftet. Eine Wirtschaft, die von den Erfolgen der Vergangenheit lebt und die auf die Zukunft unzureichend vorbereitet ist.

Und eine Politik, die diese Problematik bisher nicht erkannt hat und die Probleme eher verschlimmert, anstatt endlich gegenzusteuern. 

Ganz so aussichtlos wie es klingt, ist die Situation aber zum Glück nicht. 

Die Lösung für viele der genannten Probleme ist gar nicht so kompliziert.

Zum einen hat jeder Einzelne von uns die freie Wahl, sich an das bestehende System anzupassen, sich zu verändern oder aus dem System ganz auszusteigen.

Love it, change it or leave it! 

Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Leider treffen aber so wenige Menschen hierbei bewusst eine Entscheidung.

Zum anderen brauchen wir für eine echte Veränderung in der Arbeitswelt nicht weniger als eine gesellschaftliche und politische Kehrtwende.

Das ist natürlich nicht einfach und es geht nicht von heute auf morgen. Aber wir müssen endlich damit anfangen.

Aber wie?

Wir müssen den Menschen als Individuum wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen. Bedingungslos.

Und wir müssen lernen in unserer Gesellschaft alle Menschen so akzeptieren, wie sie sind. Und nicht wie sie vermeintlich sein sollen.

Alle Menschen haben Gefühle, Bedürfnisse und Schwächen. 

Warum zählen diese Dinge in der heutigen Arbeitswelt so wenig? Warum sprechen wir so wenig darüber? Warum wird nach wie vor so viel ignoriert und tabuisiert?

„Clients do not come first, employees come first. If you take care of your employees, they will take care of the clients.“

Richard Branson 

Der Mensch ist in der Wirtschaft häufig nur ein Erfüllungsgehilfe und ein Kostenfaktor. Um die Interessen von Anteilseignern und Aktionären zu befriedigen.

Viele Unternehmen haben schlichtweg verlernt, sich entsprechend um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Und die Menschen haben gelernt, ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse zu unterdrücken und sich anzupassen. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen.

Wenn es uns gelingt, eine Arbeitswelt zu erschaffen, in der die Menschen wieder als wertvolle Individuen betrachtet und behandelt werden, dann werden die meisten Menschen auch wieder gerne in dieser Arbeitswelt arbeiten. 

Und das wirkt sich wiederum positiv auf das Engagement jedes Einzelnen und damit auf die gesamte Wirtschaft aus.

Und es gibt für die nachkommenden Generationen weniger Anlass, die deutsche Arbeitswelt zu verlassen. 

Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber wir müssen jetzt damit anfangen! Ansonsten haben wir keine Zukunft. Zumindest keine allzu schöne…